European Design Award: Gebärdensprachführer Helping Hands erhält Gold

Kommunikationsdesign für gesellschaftlich relevante Themen

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Mit einer Wildcard und einem ganz besonderen Projekt an die Spitze des europäischen Design-Gipfels. Dieser einzigartige Erfolg ist jetzt dem Lucra Designstudio aus Berkheim bei Memmingen gelungen. Die Agentur der beiden Grafikdesigner Christian Sobeck (28, Rot an der Rot) und Lukas Gruber (25, Memmingen) wurde für das Projekt „Helping Hands“ beim European Design Award gleich doppelt ausgezeichnet: Neben der Gold-Auszeichnung in der Kategorie „Projekte aus Eigeninitiative“ gab es für das Duo auch noch den Sonderpreis der Jury. „Helping Hands“ ist ein multimedialer Gebärdensprachführer, der bei der Interaktion mit gehörlosen Menschen hilft.

„Ich bin überwältigt, dass wir für mein Herzensprojekt mit diesem hohen europäischen Designpreis ausgezeichnet wurden. Das ist eine riesige Ehre für uns“, sagt Christian Sobeck. Die Freude bei ihm und seinem Agenturpartner Lukas Gruber ist umso größer, da der Anstoß für die Teilnahme von außen gekommen war. Jurymitglied Christine Moosmann, Chefredakteurin von „novum“, der führenden Zeitschrift für Grafikdesign in Deutschland, hatte in ihrem Magazin über das Projekt berichtet und dem Lucra Designstudio eine Wildcard für die Teilnahme beim Award angeboten. Insgesamt reichten mehrere hundert Agenturen aus 35 Ländern ihre Arbeiten für den European Design Award ein, der seit 2007 jährlich in fast 50 Kategorien vergeben wird.

Die Schwierigkeit bei medizinischen Leistungen für Gehörlose Menschen

Das Toolkit „Helping Hands – Gebärdensprachführer für helfende Hände zur Interaktion mit gehörlosen Menschen“ leitet mit einer Kombination aus verschiedenen Medien in die deutsche Gebärdensprache ein und motiviert zum Einsatz der gelernten Gebärden. Es besteht aus einem Handbuch, verschiedenen Kommunikationskarten, einer Kommunikationstafel mit Stift und einer Android-App mit ergänzenden Videos. Auf den Inhaltsseiten informiert das Handbuch über die Deutsche Gebärdensprache und gibt Tipps für die Kommunikation mit Gehörlosen. Wichtige Gebärden zu allgemeinen Themen wie Grußformeln oder Aufforderungen, aber auch zu medizinischen Anliegen, wie Diagnose, Behandlung oder das Fragen nach Schmerzen, sind auf Karten zusammengefasst. Als Erweiterung hierfür dient die App, in der die Gebärden als Video abgebildet sind, damit sich Bewegungsabläufe und Mimik besser nachvollziehen lassen. Die Kommunikationskarten sollen die Verständigung zwischen Arzt und Patient erleichtern. Für individuelle Fragen, die von den Karten nicht abgedeckt werden, dient die Tafel: Auf dieser abwischbaren Kommunikationstafel können Arzt, Pflegepersonal und Patient schriftlich, wie in einem Chat, schnell und einfach kommunizieren.

Mehr als ein Buch über Gebärdensprache

Die Idee für das Projekt entstand im Rahmen der Bachelor-Arbeit von Christian Sobeck zum Abschluss seines Mediendesignstudiums an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Gehörlosigkeit stellte der junge Grafikdesigner fest, dass Betroffene im Alltag mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Sie sind in vielen Situationen auf Dolmetscher angewiesen, da die wenigsten Menschen die Gebärdensprache beherrschen. „Besonders eklatant werden die Kommunikationsschwierigkeiten bei der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen, da es durch die erschwerte Kommunikation zwischen Arzt oder Pflegepersonal und Patient zu Missverständnissen, Informationsdefiziten und deutlichen Verunsicherungen der gehörlosen Patienten kommen kann. Diesem Mangel an Fachwissen in der Gesellschaft wollte ich entgegenwirken und habe die Idee auch nach meinem Studium weiterverfolgt“, erklärt Christian Sobeck.

„,Helping Hands ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie Kommunikationsdesign für gesellschaftlich bedeutsame Themen genutzt werden kann. Das Lucra Designstudio hat mit seinem wundervollen Projekt einen Teil dazu beigetragen, dass Menschen besser untereinander kommunizieren können – trotz besonderer Ausgangsbedingungen. Wir finden: Dieses Projekt transportiert so gut wie kein anderes die Bedeutung von Design in der breiten Öffentlichkeit“, sagte Jurysprecher Johnathon Strebly, Vorsitzender des International Council of Design. Die Jury des European Design Awards zeichnet jährlich die besten Agenturen und Projekte im Bereich Kommunikationsdesign aus ganz Europa aus. Normalerweise erfolgt die Preisverleihung im Rahmen eines Festivals, das für 2020 in Valencia geplant war. Dieses Jahr fand die Preisverleihung aufgrund der erschwerten Bedingungen durch COVID-19 nur virtuell mithilfe einer Live-Übertragung statt. Christian Sobeck und Lukas Gruber bekommen den Preis für ihr Projekt zugeschickt.

Zweiseitige Kommunikation ermöglichen

Der Gebärdensprachführer HELPING HANDS ist ein medienspezifisches und umfangreiches Konzept das sich auf fachspezifische und angewandte Vokabeln fokussiert. Die Gebärden werden nicht nur erlernt, sondern aktiv angewendet. Ein Dialog funktioniert, wenn er zweiseitig ist. Deshalb ist dem Set eine Kommunikationstafel beigefügt. Mittels dieser und dem beigefügten Stift kommunizieren Fachpersonal und Patienten schnell und einfach, wie in einem Chat. Angedacht ist, dass die Tafel zum Beispiel während des Aufenthalts im Krankenhaus bei den Patienten bleibt, damit Fragen für die nächste Visite notiert werden können.

Mit Empfehlung auch für alle Interessierten, die die wichtigsten Grundregeln der Deutschen Gebärdensprache und das Fingeralphabet erlernen möchten. Denn Jeder, der sich zumindest etwas in der Deutschen Gebärdensprache ausdrücken kann, wird wenigstens im Kleinen dazu beitragen, unsere Gesellschaft für Gehörlose zu verbessern.

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Eine Expertin über »HELPING HANDS«

»Ich finde HELPING HANDS sehr ansprechend gestaltet, außerdem sehr fundiert. Dabei finde ich die Idee der Mehrfachbelichtung der Fotos sehr gut, da vor allem bei Fotos die Bewegungsebene doch immer sehr schwierig darzustellen ist. Auch die Grafiken (z. B. zur problematischen Verständlichkeit beim Mundbilder absehen) sind sowohl ansprechend gestaltet als auch für Fachfremde sehr gut nachvollziehbar und erfahrbar.«


Ute Fieger

Diplom-Gebärdensprachdolmetscherin VAMED-Kliniken, Bad Grönenbach

Das Toolkit im Überblick:

Ein Paket mit 100 Gebärden und Zeichen

– Sprachführer Helping Hands
Handbuch (96 Seiten) mit wichtigen Infos zur Gebärdensprache, ersten Gebärden und Fingeralphabet

– Kommunikationskarten analog & digital
10 laminierte abwischbare Karten mit wichtigen Gebärden und Fragestellungen zum herausnehmen ausfüllen mit Patienten. Zusätzlich auch digital in der Android-App

– Kommunikationstafel
desinfizierbare Tafel zur einfachen schriftlichen Kommunikation 

– non-permanent Marker
abwischbarer HELPING HANDS Marker zur Anwendung auf der Kommunikationstafel

– Lizenz für die Android-App
Android-App mit allen Gebärden aus dem Sprachführer, Fingeralphabet und digitalen Kommunikationskarten

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Gibt es einen Rabatt auf HELPING HANDS?

Wir gewähren allen Bildungseinrichtungen, Auszubildenden und Studenten aus dem medizinischen und sozialen Bereich einen Bildungsrabatt von 35 % auf den Gebärdensprachführer HELPING HANDS. Sende dazu einen Nachweis mit dem Betreff Bildungsrabatt an mail@lucra-design.de Nach erfolgreicher der Prüfung der Daten melden wir uns bei dir. Der Rabatt ist nicht übertragbar und kann nur direkt bei uns eingelöst werden. Alle übersandten Daten zum Nachweis werden nach der Prüfung gelöscht.

Waren Fachkräfte an dem Projekt beteiligt?

Bei der Erstellung des Gebärdensprachführers wurde ein hoher Wert auf einen multidisziplinären Austausch gelegt. Helping Hands wurde im Rahmen einer Bachelorthesis im Studiengang Mediendesign an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg entwickelt. Dazu wurden viele persönliche und schriftliche Gespräche, Interviews und Umfragen mit Rettungskräften, Personal der Krankenpflege, Reha-Kliniken und Arztpraxen geführt. 

Waren Gehörlose an dem Projekt beteiligt?

Bei der Erstellung des Gebärdensprachführers wurde ein hoher Wert auf einen multidisziplinären Austausch gelegt. Es wurden viele persönliche und schriftliche Gespräche, Interviews und Umfragen mit Rettungskräften, Personal der Krankenpflege und Arztpraxen geführt. Zusätzlich wurden Zeitungsartikel, Berichte und Publikationen des Deutschen Gehörlosenbundes und der Gehörlosen Zeitung miteinbezogen. Bei der Erstellung der Inhalte waren gehörlose Menschen beteiligt. Die Inhalte wurden vor dem Druck von Gehörlosen und Dozenten für Gebärdensprache geprüft. Gehörlose und Hörende haben somit gleichermaßen zu diesem Projekt beigetragen.

Ist das Lernen der Gebärden nicht zu schwer für mich?

Helping Hands startet mit ganz einfachen und intuitiven Gebärden. Besonders das Fingeralphabet lässt sich zum Beispiel durch das Buchstabieren von Namen und Orten sehr leicht üben. Zusätzlich sind alle Gebärden auch als Video in einer Android-App dargestellt. Viele wichtige Gebärden sind auch auf herausnehmbaren, laminierten Karten zusammengefasst. 

Für den medizinischen Einsatz werden vielfältige Möglichkeiten zur nonverbalen Kommunikation angeboten. Medizinisches Fachpersonal kann auf Karten zum Beispiel verschiedene Aufforderungen ankreuzen (Bitte Aufstehen, Bitte hinsetzen, etc.). Patienten können auf eine Schmerzskala tippen oder die Stelle des Schmerzes auf einer Körper-Karte einzeichnen.

Ist die App plattformübergreifend für Android und iOS?

Die App zum Handbuch ist derzeit exklusiv im Google Play Store erhältlich und kann nur auf Android Geräten installiert werden. Wir haben uns dafür entschieden zunächst eine App für Android Geräte zu entwickeln, da statistisch gesehen mehr Android Geräte in Benutzung sind. Gleichzeitig arbeiten wir an einer Lösung, um die Inhalte der App zukünftig auch für Apple-Nutzer zur Verfügung stellen zu können. Einen genauen Termin können wir dazu leider noch nicht in Aussicht stellen. Wir werden alle Kunden zu diesem Thema auf dem Laufenden halten, wenn sie möchten.

Texte und Bilder für redaktionelle Zwecke stehen in unserem Drive Ordner zur freien Verfügung.
Ansehen
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